Vormundschaften

Vormundschaften für Minderjährige sind ein zusätzliches Betätigungsfeld für BerufsbetreuerInnen .

 Wer kann zum Vormund bestellt werden?

Die rechtlichen Grundlagen zur Begründung einer Vormundschaft finden sich im BGB, §§ 1773 ff.

Zum Vormund bestellt werden können geeignete natürliche Personen, Vereinsvormünder (sozialpädagogisch ausgebildete Fachkräfte in Vormundschaftsvereinen) oder, wenn die ersten beiden Genannten nicht zur Verfügung stehen, das Jugendamt im Rahmen der bestellten Amtsvormundschaft. (§ 1774 Anordnung der Vormundschaft von Amts wegen, § 1779 Auswahl durch Vormundschaftsgericht  nach Anhörung des Jugendamts, § 1791 a Vereinsvormundschaft, § 1791 b Bestellte Amtsvormundschaft des Jugendamts, wenn keine geeignete Person als ehrenamtlicher  Einzelvormund zur Verfügung steht)

Amtsvormünder können sich in der Regel nicht persönlich um die „Mündel“ kümmern, bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich um Aktenverwaltung mit Delegation an den zuständigen allgemeinen Sozialdienst. Amtsvormünder sind in der Regel überlastet mit einer hohen Fallzahl. In vielen Kommunen weigern sich auch die zuständigen Behörden, Amtsvormundschaften für Flüchtlingskinder und –jugendliche einzurichten, so dass dem Gesetzesauftrag nicht entsprochen wird.

Vereinsvormünder haben wesentlich geringere Fallzahlen, hier bestehen persönliche Kontakte zu den einzelnen Jugendlichen. Leider aber gibt es in Deutschland nur noch wenige Vormundschaftsvereine in bestimmten Regionen (z.B. München, Stuttgart), so dass der Bedarf regional nicht abgedeckt werden kann.

In einigen Regionen in Deutschland, in denen besonders viele minderjährige unbegleitete Flüchtlinge ankommen, sind im Laufe der Jahre Initiativen und Vereine entstanden, die sich zur Aufgabe gemacht haben, ehrenamtliche Vormünder (natürliche Personen) für Flüchtlingskinder zu gewinnen, zu schulen und zu begleiten( z.B. Schleswig-Holstein, Berlin, Nürnberg, Chemnitz).

Da es aber leider auch nicht genügend ehrenamtliche Vormünder gibt und bei den Jugendlichen oft viele Problemsituationen auftreten, mit denen Ehrenamtliche überfordert sind, besteht auch die Möglichkeit, eine Vormundschaft durch geeignete Fachkräfte berufsmäßig führen zu lassen.

Berufsmäßige Vormünder sind in der Regel sozialpädagogisch geschulte Fachkräfte, die bereits als Berufsbetreuer tätig sind und in dieser Funktion als gesetzlicher Vertreter die rechtlichen Angelegenheiten von Menschen regeln, die dies aufgrund von Krankheit, Behinderung oder Demenz nicht mehr selbst erledigen können. Nach dem Vormünder- und Betreuer-Vergütungsgesetz (VBVG) wird die Berufsmäßigkeit eines Vormunds anerkannt, wenn er auf Dauer mindestens 10 Vormundschaften führt oder aber mindestens 20 Stunden wöchentlich für die Führung der Vormundschaften aufwendet. Die Vergütung für Berufsvormünder ist im Vormünder- und Betreuer-Vergütungsgesetz (VBVG) genauestens geregelt und wird auf Antrag von der jeweiligen Justizkasse geleistet.